DGUV V3 oder DGUV V4: Was ist der Unterschied?

DGUV Vorschrift 3 und DGUV Vorschrift 4 tragen denselben Titel: „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“. Der wichtigste Unterschied liegt nicht im Messgerät oder im grundsätzlichen Ablauf einer Prüfung, sondern darin, welcher Unfallversicherungsträger für den Betrieb zuständig ist. Welche Vorschrift gilt, hängt deshalb von der Zuordnung des Unternehmens oder der Einrichtung ab.

DGUV V3 und DGUV V4 kurz erklärt

  • DGUV Vorschrift 3 gilt typischerweise im Bereich der gewerblichen Berufsgenossenschaften und damit für viele private Unternehmen.
  • DGUV Vorschrift 4 ist die entsprechende Unfallverhütungsvorschrift der Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand und betrifft daher häufig Kommunen, öffentliche Einrichtungen und vergleichbare Betriebe.
  • Beide Vorschriften verfolgen dasselbe Schutzziel: Elektrische Anlagen und Betriebsmittel müssen sicher betrieben und in festgelegten Abständen geprüft werden.

Entscheidend ist immer der zuständige Unfallversicherungsträger. Ein Betrieb sollte die anzuwendende Vorschrift daher nicht allein anhand seiner Rechtsform oder der Bezeichnung „öffentlich“ beziehungsweise „privat“ auswählen.

DGUV V3 oder DGUV V4: der Vergleich

MerkmalDGUV Vorschrift 3DGUV Vorschrift 4
Typischer BereichGewerbliche UnternehmenÖffentliche Einrichtungen und Betriebe
ZuständigkeitHäufig eine gewerbliche BerufsgenossenschaftHäufig ein Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand
SchutzzielSicherer Zustand elektrischer Anlagen und BetriebsmittelSicherer Zustand elektrischer Anlagen und Betriebsmittel
PrüfpflichtVor Inbetriebnahme beziehungsweise nach Änderungen sowie wiederkehrendVor Inbetriebnahme beziehungsweise nach Änderungen sowie wiederkehrend
PrüffristenAbhängig von Gefährdungsbeurteilung, Nutzung und PrüfergebnissenAbhängig von Gefährdungsbeurteilung, Nutzung und Prüfergebnissen
PrüfnachweisNachvollziehbare Dokumentation erforderlichNachvollziehbare Dokumentation erforderlich

Unterscheidet sich die praktische Prüfung?

In der praktischen Durchführung sind die Unterschiede meist gering. Bei beiden Vorschriften werden die konkreten Prüfverfahren aus den anwendbaren elektrotechnischen Regeln, der Gefährdungsbeurteilung und der Art des Prüfobjekts abgeleitet. Je nach Auftrag können dazu Besichtigen, Erproben, elektrische Messungen, Funktionsprüfungen, Kennzeichnung und Dokumentation gehören.

Das gilt beispielsweise für die Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Geräte, die Prüfung elektrischer Anlagen, Wallboxprüfungen und Ladekabelprüfungen. Welche Messungen erforderlich sind, richtet sich nicht nur nach der Nummer der DGUV-Vorschrift, sondern vor allem nach dem Prüfobjekt, dessen Zustand und den einschlägigen Normen.

Wer legt fest, welche Vorschrift gilt?

Die Zuordnung ergibt sich aus dem zuständigen Unfallversicherungsträger. Bei Unklarheiten sollte der Betrieb seine Mitgliedsunterlagen prüfen oder direkt beim zuständigen Träger nachfragen. Gerade bei kommunalen Unternehmen, Beteiligungsgesellschaften oder Betrieben mit besonderer Organisationsform ist eine pauschale Einordnung nicht immer zuverlässig.

Für die Beauftragung eines Prüfdienstleisters ist deshalb sinnvoll, die zuständige Vorschrift bereits in der Anfrage zu nennen. Ist die Zuordnung noch offen, kann sie vor der Prüfung gemeinsam geklärt und im Prüfkonzept berücksichtigt werden.

Gelten bei DGUV V3 und DGUV V4 dieselben Prüffristen?

Auch bei den Prüffristen steht nicht allein die Vorschriftennummer im Vordergrund. Die Frist muss so bemessen sein, dass zu erwartende Mängel rechtzeitig erkannt werden. Maßgeblich sind unter anderem Gefährdungsbeurteilung, Beanspruchung, Umgebung, bisherige Fehlerquote und Herstellerinformationen. Eine pauschale jährliche Prüfung aller Geräte ist daher nicht automatisch vorgeschrieben.

Ausführliche Richtwerte für Büro, Werkstatt, Baustelle, ortsveränderliche Geräte und elektrische Anlagen finden Sie im Ratgeber DGUV V3 Prüffristen: Wie oft muss geprüft werden?

Häufige Fragen zu DGUV V3 und DGUV V4

Ist DGUV V4 strenger als DGUV V3?

Nein, eine pauschale Einstufung als strenger oder weniger streng ist nicht sinnvoll. Beide Vorschriften verfolgen vergleichbare Schutzziele. Der konkrete Prüfumfang ergibt sich aus dem Prüfobjekt, den betrieblichen Bedingungen und den anzuwendenden elektrotechnischen Regeln.

Gilt für jede Kommune automatisch DGUV V4?

Häufig ist für kommunale Einrichtungen ein Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand zuständig. Dennoch sollte die konkrete Mitgliedschaft geprüft werden, besonders bei Eigenbetrieben, Beteiligungsgesellschaften oder besonderen Organisationsformen.

Kann derselbe Prüfdienstleister nach DGUV V3 und DGUV V4 prüfen?

Grundsätzlich können fachlich geeignete Prüfpersonen Prüfungen für beide Anwendungsbereiche durchführen. Entscheidend sind die Qualifikation für die jeweilige Prüfaufgabe, geeignete Prüfmittel, ein passendes Prüfverfahren und eine nachvollziehbare Dokumentation.

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